Seelenblick. Ein Rückblick auf Tobias Becks Masterclass of Personality

Es ist sieben Uhr an einem kalten Sonntagmorgen im Dezember 2016. Gestern schon bin ich früh aufgestanden, da um acht Uhr das Fitnessstudio, in dem ich arbeite, um mir neben meinem Studium Geld zu verdienen, aufgeschlossen sein musste. Lang geschlafen habe ich nicht, aber dennoch fühle ich mich relativ fit.
Energiegeladen erhebe ich mich aus dem Bett, mache mich im Bad fertig und packe meine Tasche. Was stand in der Mail? Ich schaue nach: „Bitte bringt ein Notizbuch, einen Stift und einen Edding mit.“ Ich packe alles in meinen schon beinahe völlig zerstörten Rucksack, der aber immer noch seine Pflicht tut. Während ich einen weiteren Blick in den Spiegel wage, kommt in mir die eigentlich für Frauen typische Frage hoch: Kann ich so wirklich losgehen? Meine letzte Jeans hat gestern Abend ihren Geist aufgegeben – Diagnose: Nahtriss -, weshalb ich eine beige Stoffhose und einen Pullover trage. Einen Pullover? In Gedanken stelle ich mir Tobi vor, den ich eigentlich nur gut gekleidet in Anzugshose und mindestens im Hemd kenne. Umgehend gehe ich zum Schrank und hole meine weißes Hemd heraus. Erneut blicke ich in den Spiegel: Besser. Nicht perfekt, aber besser.
Um Punkt acht Uhr verlasse ich das Haus und mache mich auf den Weg zur U-Bahn. Auf geht’s zu Tobias Becks Masterclass of Personality nach Hanau!

Bewohner

Als ich die Masterclass buchte, war ich voller Euphorie. Tobi hatte fünf Stunden zuvor um kurz nach sechs Uhr abends auf seiner Seite bei Facebook gepostet, dass er um 19 Uhr innerhalb der zweiten Awesome People Conference-Tour von Robert Gladitz bei deren Halt in Frankfurt am Main ein Interview gebe, bei dessen Aufzeichnung man live dabei sein könne. Ich googlete die Ortschaft: Social Impact Lab. Gerade ging ich in Frankfurts größtem Park spazieren und Google zeigte mir an, dass ich es noch rechtzeitig bis 19 Uhr schaffen könnte, wenn ich mich beeilte. Ich lief schnell nach Hause in meine Studentenbude, zog mir schickere Sachen an, sagte noch ein Gruppentelefonat ab, welches um 19:30 Uhr angesetzt war, und sprintete zur S-Bahnstation. In der S-Bahn versuchte ich noch ein Online-Ticket zu kaufen, jedoch war die Buchung nicht mehr möglich. Ich ging also ohne Ticket und völlig verschwitzt zu der Veranstaltung, was sich im Nachhinein jedoch als gar kein Problem darstellte. TobisInterview war zudem sehr begeisternd und ich war völlig geflasht. Nachdem er dann auch noch einen 50%-Rabattcode für seine Masterclass of Personality im Dezember bekanntgab, buchte ich noch am selben Abend.
Gestoßen war ich auf Tobi durch ein Video des YouTube-Kanals GEDANKENtanken, in dem er das von ihm angefertigte Bewohner-Modell vorstellt. Innerhalb dieses Modells werden Menschen in vier Schubladen eingeteilt, bei denen die unterste Stufe die – genau – „Bewohner“ darstellen. Bewohner nennt Tobi die Menschen, die man auch als Energievampire bezeichnen könnte, da sie einem mit ihrer negativen Einstellung die eigene Energie förmlich heraussaugen. „Kennt ihr solche Menschen, die einen Raum betreten und das Licht geht aus? Das sind Bewohner“, pflegt Tobi die Bewohner-Stufe zu beschreiben. Die weiteren Stufen bekommen das Prädikat „Ameise“, „Diamant“ oder das Nonplusultra-Etikett „Superstar“. Doch sind wir nicht alle irgendwo Bewohner? Natürlich nicht, in dem Sinne, wie ihn das Modell beschreibt, sondern allein vom Begriff. Bewohnen wir nicht alle die Erde? Ich bin doch genauso ein Bewohner dieses Planeten wie mein Nachbar, der sich jede Woche erneut mindestens einmal darüber aufregt, dass „das Wetter so beschissen“ ist. Vielleicht kann man an dieser Stelle darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, die unterste Stufe des Modells mit einem Begriff zu beschreiben, der eigentlich in uns allen steckt bzw. jeden Menschen der Welt beschreibt, den man dem Modell zufolge jedoch keineswegs tragen möchte.Natürlich ist mir bewusst, dass der Begriff bewusst so gewählt wurde, jedoch finde ich, dass er automatisch suggeriert, nicht zu genügen, wenn man ein vermeintlich einfaches, unspektakuläres Leben führt, was wiederum leicht Vorurteilen gegenüber ebendiesen Leuten führen kann. Vielleicht steigere sehe ich auch zu viel Gefahr in diesem Begriff, jedoch geht es mir momentan noch so, dass ich mich deshalb mit dem Modell noch nicht zu einhundert Prozent anfreunden kann.
Relativiert wird dieser Punkt jedoch durch Tobis getroffene Aussage, dass natürlich in jedem von uns eine Bewohner stecke und dieser sogar an manchen Tagen aus uns herauskommt. Nämlich an den Tagen, wo wir uns im Lower Self bewegen, einem Befindlichkeitsstatus, welchen man frei mit „Niederes Ich“ übersetzen könnte. Das Lower Self beschreibt nämlich den Zustand, in dem wir vor schlechter Laune nur so strotzen und unsere negativen Gedanken über uns regieren. Das Gegenteil vom Lower Self ist das Higher Self, weshalb es unsere Aufgabe an Tagen des Lower Selfs ist, uns in unser Higher Self zu manövrieren. Die Handwerkzeuge für dieses Umschalten lernt man dann in Seminaren wie der Masterclass of Personality.

Maske ab!

Von der ersten Hälfte der Veranstaltung bis zur Mittagspause bin ich etwas enttäuscht. Wenn man sich ein paar Videos oder Interviews mit Tobi bei YouTube angesehen hat, weiß man schon das meiste, was in diesem Teil behandelt wird. Ändern tut sich dieses schlagartig nach der Mittagspause. Nun geht es darum, aktiv zu werden und Aufgaben zu meistern. Es geht darum, seine Maske, die man tagtäglich mit sich trägt, damit niemand hinter die Fassade schauen kann, abzulegen. Ich möchte bewusst keine der Übungen hier genau beschreiben, da es für jeden, der ebenfalls plant, die Masterclass zu besuchen, die Spannung nähme, sodass die Übungen evtl. sogar an Wirkung verlöre. Fakt ist, dass sehr wahrscheinlich bei fast jedem im Laufe des Tages Tränen fließen werden. Man wird konfrontiert mit seiner Vergangenheit, der Gegenwart sowie der Zukunft und wenn man die Übungen richtig vollzieht, wird der Punkt kommen, an dem man seine Maske – zumindest kurzzeitig – ablegen wird. Eine der Übungen kenne ich als Methode aus dem Pick Up als „Seelenblick“, jedoch nicht in dieser Länge und Intensität, sodass ich über die Auswirkung bzw. die wirkliche Wahrheit dieser Methode – vorausgesetzt, sie wird ernsthaft und wirkungsvoll durchgeführt – überrascht und tief berührt bin. Am Ende der Übung bin ich auf jeden Fall der Überzeugung, dass ich nie wieder Hass gegenüber Menschen empfinden werde bzw. gar nicht in der Lage dazu sein werde und zudem einen Freund bzw. eine Freundin fürs Leben gefunden habe. Noch Minuten nach der Übung habe ich stark mit mir und meinen Gefühlen sowie meinem Kopfkino zu kämpfen, sodass ich die folgende Pause tatsächlich benötige, um wieder zu mir zu kommen und für das bereit zu sein, was noch kommen soll.

In den weiteren Übungen geht es darum, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen sowie bereit und frei zu sein für kommende Aufgaben und die erfolgreiche Umsetzung gesetzter Ziele. Ich tue Dinge, die ich schon immer einmal ausprobieren wollte, mich jedoch nie traute. Hier bin ich mehr oder weniger dazu gezwungen, sie auszuprobieren und irgendwann überkommt mich ein wirklicher Flow. Ich bin Teil dieses Seminars, Teil meiner Gruppe und am Ende sind wir alle in diesem Raum eins. Wir sind kleine Mosaiksteine des Großen und Ganzen, sind Bausteine dieser Welt, die sie überhaupt zu dem machen, was sie ist. Verändern wir uns, wird auch sie sich verändern. Das wird einem hier, im Kongress-Zentrum Hanau, bewusst.

Der ewige Kreis

Gegend Ende des langen und anstrengenden Tages schließen wir das Seminar mit einer letzten Übung ab, in der wir uns alle in Dankbarkeit üben. Gemeinsam stehen wir da, in einem dunklen Raum mit geschlossenen Augen, die Hände auf unser Herz gelegt und erinnern uns an die Momente, die unserem Leben Sinn geben. Momente, die uns daran erinnern, wie schön es eigentlich ist, auf dieser Welt zu sein.

Ein entscheidender Faktor, der mir besonders in diesem Moment, jedoch auch schon während des gesamten Tages bewusst wird, ist die Musik. Musik kann in uns Menschen bestimmte Emotionen und Erinnerungen hervorrufen; sie ist ein starker Anker. Jeder Mensch kann sich bei bestimmten Liedern an bestimmte Momente erinnern. Wir verbinden mit unseren Sinneswahrnehmungen generell bestimmte Situationen. Tobi Beck macht sich dieses Sinnesgesetz während des gesamten Tages zu Nutze. Es wird viel mit Farben, Musik und Erinnerungen gearbeitet. Tobi scheint sich dabei an seinen Kumpel Matthew Mockridge zu orientieren, welcher in einem Video des oben bereits erwähnten YouTube-Kanals GEDANKENtanken das PUSH-Prinzip („Penetriere alle Sinne“) darstellt. Kein Wunder also, dass bei der Ankunft im Kongress-Zentrum auf jedem Stuhl eine Packung Gummibärchen liegt.

Nach der Dankbarkeitsübung und dem Finale des Tages, bei dem sich natürlich noch einmal bei jedem bedankt wird, stehen wir zum großen Abschluss noch einmal Arm in Arm wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Nationalhymne Reihe in Reihe und singen gemeinsam Elton Johns englischen Song Circle of Life aus dem Film Der König der Löwen. Anschließend feiern wir bei lauter Party-Musik gemeinsam unser Leben, springen und tanzen durch den Raum und tauschen unsere Kontaktdaten auf, während an der Leinwand die Formel „Welcome, new life!“ steht. Willkommen!

Welcome, new life?

Definitiv war es eine gute Erfahrung, die Masterclass of Personality zu besuchen und Tobi Beck einmal in Action auf einem seiner Seminare zu erleben. Wie bereits gesagt, gab es an neuem „theoretischen“ Input, soweit man das überhaupt als solchen bezeichnen kann, nicht viel neues, jedoch kann ich allein aufgrund der Übungen empfehlen, das Seminar zu besuchen. Dabei ist es mir gar nicht so wichtig, das Drumherum mitzubekommen, jedoch denke ich, dass einigen Menschen allein die Durchführung der Übungen einen großen Schub geben könnte. Selbstverständlich geht es auf solchen Seminaren und auch innerhalb der Übungen viel um Spiritualität und auch ein wenig Esoterik, jedoch muss dieses ja auch nicht immer sofort etwas Schlechtes sein. Es ist in unserer heutigen Gesellschaft einfach ungewöhnlich geworden, sich mit solchen Thematiken und vor allem mit sich selbst auseinander zu setzen. Wer Tobias Beck auch etwas genauer begutachtet, wird zudem sehr schnell merken, dass dieser alles andere als ein Esoteriker ist. WIchtig ist jedoch, das man sich voll und ganz auf die Übungen einlässt und sie ernsthaft und bewusst durchführt. Zweifel und Skepsis können immer noch auf später verschoben werden.

Aufgefallen ist mir, dass einige Teile des Seminars und vor allem der Endteil inklusive der Musik sehr stark an Tony Robbins Vier-Tagesseminar Date with Destiny angelehnt waren, was mir durch das vorherige Anschauen der Netflix-Dokumentation über Anthony Robbins I’m not your Guru bewusst wurde. Definitiv ist dies natürlich nichts Schlechtes und ich denke, dass die Masterclass of Personality eine gute verkleinerte deutsche Version des Robbins-Seminars darstellt. Vor allem für Menschen, denen Robbins‘ Date with Destiny zu teuer erscheint, bietet die Masterclass of Personality eine gute vergünstigte Variante. Natürlich ist die Intensität wahrscheinlich allein aufgrund der Länge und der Größe der Seminare nicht miteinander vergleichbar, jedoch stellt die Erfahrung der Masterclass ein guter erster Schritt sowie ein guter Einstieg in die gezielte Persönlichkeitsentwicklung dar.

Enorm wichtig ist, dass man nach dem Besuch solcher Seminare umgehend ins Handeln kommt. Christian Bischoff, ein weiter Motivationstrainer, verweist hierbei auf seine 72-Stunden-Regel. Innerhalb von 72 Stunden nach dem Seminar sollte man in Tun kommen und den konsumierten Input in die Tat umzusetzen. Selbstverständlich schwebt man umgehend nach dem Seminar zunächst auf einer Wolke der Motivation und manchmal kann der Wiedereinstieg in die Realität sehr hart sein, weshalb die Integration des Gelernten in das tägliche Handeln enorme Wichtigkeit besitzt. Definitiv wird man auch nicht alles, was man sich vornimmt, in seinem Leben implementieren, doch gerade hier gilt wieder das Prinzip, welches ich gerne als „Persönlichkeitsbaukasten“ bezeichne und auf einer Aussage Bruce Lees beruht:

„Eigne dir an, was nützlich ist, verwerfe, was unnütz ist, und ergänze es mit dem, was dein eigenes ist.“

Am Ende lässt sich schließen, dass Seminare wie die Masterclass of Personality als Motivationsspritze wirklich wirksam sind und man auch gute Inhalte vermittelt bekommt. Ob sie unbedingt den Start in ein „New Life“ bedeuten, sei dahingestellt bzw. hängt viel mehr von einem jeden selbst ab. Die Umwandlung des Inputs in Output obliegt nämlich natürlich einem jeden selbst, weshalb das umgehende Umschalten ins Tun von essentieller Wichtigkeit ist. Verständlicherweise scheinen solche Motivationsseminare auf Menschen, die erst in die Welt gezielter oder bewusster Persönlichkeitsentwicklung einsteigen, etwas befremdlich wirken, jedoch sollte ein jeder sich erst einmal auf diese Welt einlassen, um anschließend seine Schlüsse daraus zu ziehen. Auch dieser Bereich ist nämlich ein Teil unserer Welt, in den es sich einzutauchen lohnt, um am Ende das Leben oder unsere Welt etwas genauer zu verstehen oder zumindest nachvollziehen zu können, warum solche Seminare veranstaltet und darüber hinaus auch noch gut besucht werden. Ob man jetzt gerade Tobias Beck, Tony Robbins oder einem bzw. mehreren der vielen Motivationstrainern auf dieser großen Welt folgt, ist letztlich egal. Wichtig ist letztlich, dass man sich mit ihrem Wertesystem identifizieren kann und sie das Weltbild vergrößern. Am Ende des Tages sollte schließlich für einen jeden gelten: „Eigne dir an, was nützlich ist, verwerfe, was unnütz ist, und ergänze es mit dem, was dein eigenes ist“, um anschließend bei den nützlichen Dingen nach der Regel zu verfahren: „Fake it till you make it.“

1 Kommentar

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*