Grynfelt- und Petit-Hernie

Als begeisterter Anhänger des Fasziendistorsionsmodells (FDM) und durch meine gleichzeitige Angewohnheit alles zu hinterfragen, entstand erneut der Drang, eine wissenschaftliche Begründung für die häufig vorkommenden sogenannten „Hernierten Triggerpunkte“ (HTPs) in diesen Gegenden zu suchen.

Hernierte Triggerpunkte und chronische Rückenschmerzen

Durch frühere Chirurgen wurden beide Hernien schon vor sehr langer Zeit beschrieben, weshalb diese auch nach jenen benannt wurden: Die Rede ist von der Grynfelt- (oder auch Grynfelt-Lesshaft, 1866) und der Petit-Hernie (1774).
Einen Zusammenhang zwischen diesen Hernien, (chronischen) Rückenschmerzen und der Schmerzlokalisation (durch die Gestik des Patienten) zeigte als erster jedoch Stephen Typaldos erst lange Zeit später auf [1]. Beide Hernien oder Hernierte Triggerpunkte, wie man diese im FDM nennt, treten häufig bei Rückenschmerzen auf und erfahrungsgemäß bringt eine Behandlung dieser meist sehr schnellen Erfolg mit sich. Eine neue Studie, welche als erste überhaupt mittels radiologischer Diagnostik diese Hernien untersuchte, liefert damit weitere anatomische und theoretische Grundlagen für die FDM-Behandlung dergleichen sowie tolle MRT-Bilder [2].

Grynfelt-Hernie:
Durchschnittliche Größe von 5.10 cm²
Wird gebildet von: M. erector spinae, M. serratus posterior inferior und M. obliquus internus abdominis und 12. Rippe

Grynfelt Hernie
Grynfelt-Hernie

Petit-Hernie:
Durchschnittliche Größe von 18.7 cm²
Wird gebildet von: M. latissimus dorsi und dem M. obliquus externus abdominisund dem Beckenkamm.

Petit Hernie
Petit- und Grynfelt-Hernie

Hernie ≠ OP

Die errechneten durchschnittlichen Größen variieren von Studie zu Studie. Loukas et al. geben für die Grynfelt-Hernie eine Fläche von 15 cm² an. Die Größe kann durch verschiedene Faktoren bestimmt werden: 1. Größe und Form des Dreiecks welches durch Muskeln gebildet wird, 2. Länge und Krümmung der 12. Rippe und 3. der Größe des M. quadratus lumborum und M. serratus posterior inferior. Dies zeigt aber nur, wie variabel unser Körper ist, und erklärt, warum die genannten Hernierten Triggerpunkte nicht immer an derselben Stelle auftreten. Durch diese Lücken im Gewebe können, weiter innen gelegene Weichteile nach außen treten. Mit Blick auf die MRT-Bilder wird klar, dass diese Stellen möglicherweise anfälliger als andere Stellen sind, zu Verletzungen oder Reizung der Nozizeptoren zu neigen. Sicherlich muss dies nicht immer eine große operationswürdige Hernie oder strukturelle Schädigung sein. Es könnte eben nur zu einer Irritation im Bereich der Hernien und Schmerzen in diesem Gebiet kommen, weshalb dies ein möglicher Entstehungsmechanismus für einen Hernierten Triggerpunkt sein könnte.


Literaturangaben:

1 Typaldos S, FDM Clinical and Theoretical Application of theFascial Distortion Model Within the Practice of Medicine and Surgery. Typaldos Publishing Co. 2002

2 Macchi V, Porzionato A, Morra A, Picardi EE, Stecco C, Loukas M, Tubbs RS, De Caro R. The triangles of Grynfeltt and Petit and the lumbar tunnel: an anatomo-radiologic study. Hernia, 2016 May 23. [Epub ahead of print]

3 Loukas M, Tubbs RS, El-Sedfy A, Jester A, Polepalli S, Kinsela C, Wu S (2007) The clinical anatomy of the triangle of Petit. Hernia 11:441–444

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