Mythos: Cranio-Sacral-Therapie

Mythos:

Bei der Cranio-Sacralen Therapie (auch: Cranio-Sacral-Therapie) kann der Therapeut den primären Atemmechanismus mittels Palpation spüren und durch minimale Zug- und Druckkräfte die Schädelknochen gegeneinander verschieben und so Gewebespannungen und den primären Atemmechanismus beeinflussen.

Wahrheit:

Keiner der postulierten Mechanismen der Cranio-Sacralen Therapie konnte bis jetzt wissenschaftlich nachgewiesen werden.

  • Trotz Applikation von bis zu 10 kg Traktion auf Os frontale und Os parientale konnten keine Veränderungen des intrakraniellen Drucks gemessen werden. [1]
  • Erst bei einem Zug von 20 kg konnte eine Separation von 1mm der kranialen Knochen gemessen werden.[2]
  • Ebenso konnte, trotz unzähliger Studien, keine Übereinstimmung bei Palpation des primären Atemmechanismus zwischen den Testern gefunden werden [2,3,4]. Auch fehlt die Bewegung des Sacrums, welche gleichzeitig zu der des Craniums stattfinden soll [5]. Beides bedeutet, dass man den primären Atemmechanismus mit den menschlichen Händen nicht zuverlässig spüren kann.

Da Cranio-Sacral-Therapie jedoch sich dennoch oftmals als wirksam erweist, sollte sich Gedanken über den Wirkungsmechanismus gemacht werden. Interessante Ansätze bietet hier eine Studie von Martins et al. (2015), welche eine sofortige Veränderung des EEG nach Cranio-Sacraler Therapie (CV4-Technik) bei Patienten mit  unspezifischen chronischen Rückenschmerzen messen konnten. Die Forschungsgruppe vermutet, dass sich bei dieser Therapieform  die zentrale Schmerzwahrnehmung verändert, d. h. der Effekt scheint viel mehr auf neurologischer als auf mechanischer Ebene stattzufinden. Ein weiteres Indiz also für die Plastizität unseres Nervensystems.


Literaturverzeichnis:
1 Losken HW, Mooney MP, Zoldos J, Tschakaloff A, Burrows AM, Smith TD, Cano G, Arnott R, Sherwood C, Dechant J, Cooper GM, Kapucu MR, Siegel MI. Coronal suture response to distraction osteogenesis in rabbits with delayed-onset craniosynostosis. J Craniofac Surg. 1999 Jan;10(1):27-37.
2 Downey PA1, Barbano T, Kapur-Wadhwa R, Sciote JJ, Siegel MI, Mooney MP. Craniosacral therapy: the effects of cranial manipulation on intracranial pressure and cranial bone movement. J Orthop Sports Phys Ther. 2006 Nov;36(11):845-53.
3 Sommerfeld P, Kaider A, Klein P. Inter- and intraexaminer reliability in palpation of the „primary respiratory mechanism“ within the „cranial concept“.Man Ther. 2004 Feb;9(1):22-9.
4 Green C, Martin CW, Bassett K, Kazanjian A. A systematic review of craniosacral therapy: biological plausibility, assessment reliability and clinical effectiveness. Complement Ther Med. 1999 Dec;7(4):201-7.
5 Moran RW, Gibbons P. Intraexaminer and interexaminer reliability for palpation of the cranial rhythmic impulse at the head and sacrum. J Manipulative Physiol Ther. 2001 Mar-Apr;24(3):183-90.
6 Martins WR1, Diniz LR2, Blasczyk JC3, Lagoa KF4, Thomaz S5, Rodrigues ME6, de Oliveira RJ7, Bonini-Rocha AC8. Immediate changes in electroencephalography activity in individuals with nonspecific chronic low back pain after cranial osteopathic manipulative treatment: study protocol of a randomized, controlled crossover trial. BMC Complement Altern Med. 2015 Jul 13;15:223

1 Kommentar

  1. Cranio Sacrale Therapie ist wegen Mangel an wissenschaftlichen Beweisen in vielen Ländern nicht anerkannt. Wirklich schade…physische Bewegung findet hier nicht oder gar im Nanometer Bereich statt, stimmt!

    Trotzdem kann und bringt diese Therapieform hervorragende Lösungsansätze bei Traumata! (Schmerztherapie, Psyche, Emotion, Energie)
    Um zu verstehen wo diese Therapieform ansetzt muss man verstehen und irgendwann mal beweisen, dass es so etwas wie mehr als einen „Körper“ gibt.
    Und wie diese miteinander vernetzt sind.
    Dir Wirkung ist nicht nur auf (letzter) physischer Ebene zu bemessen, sondern
    auch in der nicht sichtbaren Ebene, die das sichtbare letzten Endes bestimmt hat.

    Grz,
    Caro

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