Mythos: ISG-Blockade

Mythos:

„Ihr Iliosakralgelenk ist blockiert.“

Wahrheit:

Es gibt keine Iliosakralgelenksblockade!

Das Iliosakralgelenk (ISG) hat ein sehr geringes Bewegungsausmaß (6° Rotation, 3mm anteriore Translation, 1,5° Sidebending) (White und Panjabi, 1990) und ist so stark mit Bändern gesichert, dass eine Blockade nicht entstehen kann, da die Bewegungsamplitude hierfür zu klein ist. Eine Manipulation des ISG bei angeblicher Blockade führte bei Vorher-Nachher-Röntgenkontrolle zu keinem Unterschied der Knochenstellungen (Tullberg et al., 1998). Viel wahrscheinlicher für den dennoch positiven Effekt bei ISG-Manipulation (von Befürwortern der Blockade-Theorie) scheint der hiermit verbundene verminderte Tonus der Muskulatur aufgrund einer vorübergehende Dämpfung der Alpha-Motoneuron-Erregbarkeit (Ofakifar et al. 2012).

Aufgrund des geringen Bewegungsausmaßes des ISG ist eine Instabiltät, also ein zu großes Bewegungsausmaß häufiger der Fall von persistierenden Schmerzen in der lumbalen und sakralen Region. Bedeutend für ein „gesundes“ ISG ist körperliche Bewegung, denn in diesem Gelenk finden bis zu dem 50. Lebensjahr Veränderungen statt – besonders zwischen Pubertät und dem Erwachsenenaltern. (Vleeming et al. 2012)

Auch hier gilt wieder:

Form follows function.“

Wenn sich das ISG nämlich über einen so langen Zeitraum entwickelt, formen wir mit unseren Gewohnheiten die intra- und extraartikulären Strukturen.


Literaturverzeichnis

Orakifar N, Kamali F, Pirouzi S, Jamshidi F. (2012): Sacroiliac joint manipulation attenuates alpha-motoneuron activity in healthy women. A quasi-experimental study. Arch Phys Med Rehabil, 93 (1): 56-61.

Tullberg T, Blomberg S, Branth B, Johnsson R. (1998): Manipulation does not alter the position of the sacroiliac joint. A roentgen stereophotogrammetric analysis. Spine (Phila Pa 1976), 23 (10): 1124-8

Vleeming A, Schuenke MD, Masi AT, Carreiro JE, Danneels L, Willard FH. The sacroiliac joint. An overview of its anatomy,function and potential clinical implications. J. Anat. (2012) 221, pp 537–567.

White AA, Panjabi MM. (1990): Clinical Biomechanics of the Spine. Philadelphia: J.B Lippincott Company.

2 Kommentare

    • Hallo Ralph,
      was genau ist schlecht recherchiert?
      Im Artikel beziehe ich mich u.a. auf Andry Vleeming, der sich seit Mitte der 80er Jahre auf hohem Niveau mit dem ISG beschäftigt. Interessant ist ein großes Review (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22994881) aus dem Journal of Anatomy, worin Vleeming et al. genaustens Studienergebnisse über die Bewegungen des ISG präsentieren.
      LG UM

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